25.5.17 00:19


Wasser schwappt
Durch drei Fensterscheiben hindurch betrachtet
Graugrün.
-
-
Zäh.
-
Darauf die Gischt der Sanssouci:
Wellenkämmchen (auf einmal doch)
Leicht, in Silberfunkeln
Tanzend auf trüber Wassermasse.

Als Zwilling des Ausblicks
Schwappe auch ich –
Betrachtet durch mehrere Fenster-
Mal träge, mal aufgepeitscht, mal intransparent,
mal sauerstoffarm, mal prickelnd

Mal im Wiegenschritt von der Sanssouci
überfahren.
24.5.17 23:51


Ingrid mochte Pusteblumen. Das war problemlos möglich, da sie ihre Historie stählern vor jeglichen Allergien abgeschirmt hatte. Sie mochte den Geruch der Wiese, die unter dem Aprilhimmel sattgrün zu wuchern begonnen hatte und deren Halme sie in den Ohren kitzelte, während einzelne Regentropfen auf ihre Nase hinabtanzten und zerschellten. Sie mochte das Gefühl von Aufgewühltheit und jene von körperlicher und geistiger Erschöpfung, weil alle drei ihr zeigten, dass sie es mitten hinein ins Leben geschafft hatte. Dass sie vorhanden war.
Ingrid hatte in letzter Zeit nur sehr spärliche Versuche unternommen, die Tage um sie herum zu protokollieren. Sie war wenige Jahrzehnte alt, ihr Gehirn schien in voller Blüte zu stehen, die zweifelte nicht, dass ihr Gedächtnis alle Erinnerungen speicherte. Das beruhigte sie und sie konnte Großteile des Tages anderen Aktivitäten widmen.
Ingrid war in den vergangenen Wochen auf eine unbedachte Art glücklich gewesen. Sie hatte sogar hin und wieder Langeweile verspürt, was sie als eindeutigen Fortschritt wertete, weil es sie hinaustrieb und sie bemerkte, dass sie sich selbst nicht genügte, ohne sich dabei zu verdammen.
Sie hatte oft Gedankengebilde entworfen und die Zukunft mit sanften Bleistiftstrichen vor sich gezeichnet gesehen. Sie hatte Kleidung getragen, die kaum mehr an norwegische Schafswolle erinnerte, der azurblaue Mantel staubte in der hintersten Ecke des Schrankes vor sich hin. Ingrid hatte, ohne sich zu verleugnen, ihre Geschichte für notwendig doch nebensächlich fein säuberlich in ihrer Kommode verstaut. Es fühlte sich gut an und befreite sie von einem schweren Gewicht, das sie sonst oftmals auf ihrem Rücken lagern spürte.
Ingrid träumte. Ingrid versuchte, nicht zu sehr über sich nachzudenken. Ingrid schaute hinaus und den Menschen in die Augen. Ingrid sagte sich, dass das alles sei, was sie der Welt schuldig sei. Ingrids Herz tanzte. Ingrid beruhigte sich mit dem Gedanken, dass es ebenso normal sei, hin und wieder ein schlafendes Herz mit sich herum zu tragen.
Ingrid war überwältigt von der Schönheit des Meeres, den Feinheiten der menschlichen Mimik, von grünen Augen und den Gesängen früher Amseln. Ingrid glaubte sich so stabil, dass sie selbst in verzweifelten Minuten gerne auf die Anwesenheit anderer bauen wollte.
Ingrid bemühte sich. Wirklich.
Und dann fragte sie sich, ob alles ausreichte, oder ob sie nicht doch viel zu simpel gestrickt sei für ein Leben ohne Schüttelfrost.
Über den Dächern zogen Wolken auf und sie goss die Margeriten auf ihrem Balkon zeitgleich mit dem einsetzenden Regen. Es war ihr egal.
29.4.17 21:49


Kann eine Melancholie
Bloß wenn Eine (die mir sogar beinahe fast fremd ist)
danach sucht,
zwei Raumbegrenzungen von mir entfernt aber eben doch –

kann diese eine Melancholie
(die Vielköpfig ist, so vielköpfig,
so viele Köpfe kann gar kein Monster haben,
nein, es sind zu viele unterschiedliche!)

kann solch eine Melancholie
am Ende hindurchdiffundieren
durch solide Begrenzungen der Arbeitsplätze
kann sie hinüberschwappen
über die vielen Tische,
nähert sie sich schließlich meinem Nacken
um,
gemeinsam mit dem eisblauen Sonnenlicht
in mein Ohr zu fließen?
Ist das so.

Sie vergifteten sich immerhin
durch winzige Einträufelungen
in ihre Ohren,
so liest man und so spielte es sich ab
früher, in den Dramen
- aber -
ist denn
eine Melancholie eine
einzige Vergiftung?

Das versucht sie bestimmt herauszufinden,
sie, einige Raumelemente von mir entfernt.
Ich aber sitze nicht an ihrem Platz
es geht um andere Dinge bei mir.
Vielleicht erfasst mich trotzdem kurz
eine Welle von ihrer Flut –
Dabei aber
hängt
meine eigene plötzliche Träne
An etwas ganz Anderem
Als an einem Weltschmerz der
wie Staubflusen
durch den aufgewärmten stahlsonnenen Raum
segeln mag.

Es ist gar keine Melancholie
und das ist doch auch mal ein schönes Lied
das aus dieser Erkenntnis wird.
Während der Abseilung meiner Träne
Bin ich überfragt, fraglos,
Und vielleicht genügt mir diese Sprachlosigkeit:
Genug
Zu wissen, dass es mich in diesem Moment
Kaltwarm erwischt hat
(Nicht aber eis! Nicht aber lau!)
Ist genug, das
Ist gar keine Melancholie das.

In dem Moment, als ich Fragmentarisches lese
und Musikflüssiges höre
- zwei Gegensätze also-
Und ich so fest daran halten will,
dass es schmerzt
hinterm Solarplexus und hinter der Iris
und alles, was da hilft,
meine eigene klare Tränenweberei ist.
Ist gar keine Melancholie im Nacken,
sowas,
das.
27.2.17 16:04


26.2.17 21:40


In der Winternacht
hängt ein Himmelskörper rot und schwer in den Bäumen.
So schwer, dass unklar bleibt
Viele Minuten und Meter lang
Ob es
Er
Ist
Ob er gehalten wird von den Ästen
Oder aber ob er fallen wird
Und ob nicht die optische Täuschung regiert.
Wüstenfarben das Licht und
Asymmetrisch die Kugel als
übte sich ein Riese in sanfter Fingergymnastik.
Ich laufe in dieser Verwirrung weiter zu
Auf ihn, der sich entzieht -
Und die Winternacht dampft.
Der Mond ist kein Scheinriese
rufen die Baumskelette -
sie müssen es wissen und
ich vertraue ihnen.
Doch was passiert, wenn er nicht gehalten wird,sondern
trunken stürzt
und auf das Zurückfedern hoffen muss.
Vielleicht muss ich der Erde helfen
ruft etwas in mir – bloß
schaltet Laufen nunmal das Frontalhirn
aus.
Die Dimensionen verschwimmen ineinander
Und die kosmischen Abstände werden begreifbar
In ihren bestehenden Illusionen.
Der Mond fällt also auf den Columbiadamm -
Fast
Ich habe den Mond aufhalten können.
Hast du Zugang zu einem Stück Himmel
Mit Mond? Möchte ich fragen
Am Telefon vielleicht,
wenn ich denn gerne telefonierte.
Eine Amsel zumindest redet dann laut
In der Winternacht
in dieser verrückten Welt.
17.2.17 01:21


1.2.17 23:03


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