Nein, sie benötigte die Fallen nicht mehr. Sie benötigte überhaupt nur noch sehr wenig. Sie erinnerte sich an das Bonmot eines lange zurückliegenden Jahres: Solange die Sockenschublade aufgeräumt ist, kann im übrigen Leben fast unbegrenztes Chaos herrschen – es macht nichts aus. Ingrid besaß überhaupt nur noch eine Sockenschublade, den Rest nahm sie hin als Orchestrierung sonstiger Dinge, deren Dirigat nicht ihre Aufgabe war. Vielleicht betrachtete sie sich eher selbst als ein Teil des Orchesters. Ein Instrument, dessen Eigenartikulation ebenso eigen wie jene der sämtlichen übrigen Instrumente ist. Sollte jemandem eine symphonische Interpretation vorschweben -dann, bitte, solle er doch eine klare Ansage an alle machen. Ansonsten würde sie sich einfügen in das unvorhersagbare tägliche Improvisieren der Instrumente, sie gab keinen Pfifferling auf Symphonien. Manchmal konnte sie einen Gefallen an Symphonien finden, eigentlich jedoch stand ihr der Kopf nach etwas anderem. Ihr war nach mehr Unordnung und mehr Freiheit und mehr repetitiven Melodien in spontanem tutti. Sie verlangte, dass man ihre Intonation respektierte. Ingrid rollte blaugestreifte und graugepunktete Sockenpaare ineinander, legte sich auf den Fußboden und schaute an den Silhouetten der Topfpflanzen vorbei auf die weiße Wand. Sie suchte nach dem Wort.
Sie hatte alle Winkel gesäubert und war mit jeder Schublade ihres Daseins bekannt, sie hatte etwa fünf Tonnen überflüssiger Dinge entfernt, die Räume lagen überschaubar vor ihr. Kisten, um deren Inhalt sie nicht trauern würde, sollte ein Orkan ihn zerfetzen. Ein einziges Kästchen mit allen Reliquien, die sie im Falle eines Schwelbrandes packen und nicht loslassen würde. Ingrid besah sich die unspektakuläre, gute Festung für alle Zeiten des Tages. Eine Festung, die vielleicht mehr eine Basisstation war. Eine, von der man aufbrechen kann. Sie saß auf gepackten Koffern vor weißen Wänden.
Sie suchte nach dem Wort. Sockodium, ein Schubladium. Eine Schubsockette. Vielleicht war es das. Vielleicht war sie das.
Sie wusste nicht, ob alles da war, oder aber alles fehlte.
20.10.17 11:28


Es war die Maus gewesen, die Ingrid durch die vergangenen Monate gebracht hatte. Es handelte sich, und dies war das Interessante, was es zu diesem Tier zu sagen gab, um eine psychosomatische Maus. Eine Maus aus der Familie der muroidea somatopsychae hatte sich da in Ingrids Wohnung eingenistet.
Man trifft nicht oft auf diese Untergattung, die an sich eine scheue Spezies ist. Ängstlich, flink, eigenbrödlerisch und geprägt von einem schwer auszubalancierenden Dilemma ihres Wesens, dem ewigen Schwanken nämlich zwischen Domestizierung und Wildheit.
Schenkt man spärlichen Fachartikeln Glauben, so ist die muroidea sp. ein zierliches Wesen, über dessen genaues Aussehen sich die Forschung allerdings äußerst widersprüchlich äußert.
Das Lexikon gibt an, dass das Tier ein silbergraues Fell besitze, was es ihm ermögliche, sich chamäleongleich seiner Umwelt anzupassen. Unterstützung findet diese Argumentation einer Verschmelzung mit ihrem Umfeld durch vereinzelte Arbeiten der Farbpsychologie, die Grau wiederholt als die harmonischste und daher „beste“ aller Farben aufführen. Populärwissenschaftliche Beiträge zitieren immer wieder hauptsächlich einen isländischen Pensionär und ehemaligen Volksschullehrer, der nach eigenen Aussagen seit drei Jahrzehnten mit einem Tier der besagten Art zusammenlebt und der aufgrund seiner persönlichen Erfahrung darauf beharrt, die psychosomatische Maus beeindrucke ausnahmslos durch ihre gleißend weiße Fellfärbung sowie durch rührende, haselnussbraune Augen, wie er sie sonst nur von mitteleuropäischen Rehen kenne.
Sämtliche Einträge und Reportagen lassen jedoch Fotomaterial der Maus vermissen. Einzig eine Serie großformatiger Ölstudien einer international nicht hinreichend bekannten Dozentin der Ungarischen Akademie der Bildenden Künste zeigt konzentrierte Abbildungen des Tieres. Nun fühlt sich die 48jährige Erzsébet Sziláhyi in ihrem künstlerischen Ausdruck jedoch seit vielen Jahren stark einem ausgeprägten abstrakten Expressionismus zugehörig, weshalb der objektive Zugang zur Phänomenologie der Maus auch hier schwierig bleibt. Zweifellos vermittelt sich bei der Betrachtung der 29 Arbeiten aus Budapest aber ein intensives Gefühl, das, auch wenn es auf eine geheimnisvolle Art ungreifbar bleibt, seinerseits selbstverständlich Auskunft über dieses possierliche Tier geben kann.

Nun, was Ingrid betraf: es fiel auch ihr schwer, verlässliche Angaben zum Äußeren ihres Zimmergenossen zu machen. Das lag ausnahmsweise eben nicht an Ingrids Schwierigkeit, Äußerliches in seiner Vielfalt gebündelt verarbeiten zu können. Die Maus war einfach zu flink und zeigte sich niemals von Angesicht zu Angesicht.
Ja, es fiel Ingrid zugegeben furchtbar schwer, selbst bei größter Anstrengung, sich flüchtige Gesichter zu merken, deren Augenbrauen- oder Stirnformen, die Augenfarben und Brillengestelle. Auch wenn sie sich Mühe gab, blieben immer nur winzige Details. Nie ein großes Ganzes. Bis sie sich ein Gesicht komplett merken konnte, brauchte es sehr, sehr viel Zeit und sehr, sehr viele Blicke. Wie dem auch sei, wie gesagt, bei der Maus spielte dieser Punkt keine Rolle.
Um ehrlich zu sein, war die Maus unangekündigt erschienen, es war in der Nacht eines Sommertages gewesen, an dessen Datum sich Ingrid hingegen selbstverständlich viel zu deutlich erinnerte. Ihr Gedächtnis hielt an Zahlen fest, ohne dass sie es davon abbringen konnte. Sie war sich sicher, dass ihr Gedächtnis sich dadurch nur wichtigmachen wollte. Da das Ingrid jedoch nichts als schier unerschöpfliche Möglichkeiten der Nostalgievermessung bot, war sie überhaupt nicht stolz auf diese unnütze Veranlagung. Es war lächerlich, der Maus prinzipiell den Tag ihres Einzugs nennen zu können, niemand anderes hatte es sich wohl gemerkt und da es überhaupt an Senilität gegrenzt hätte, sich im Gespräch der Maus mitzuteilen, sah sich Ingrid bestätigt darin, dass die ihr eigenen Wahrnehmungsschwerpunkte sich kaum mit denen anderer Menschen vereinbaren ließen. Machten die anderen sich nichts aus dem Vergessen? Wie konnten sie einfach Dinge verblassen lassen?
Niemand interessierte sich für den Tag, für den Monat. Sie glaubten vielleicht, es diene ihr, Ingrid, als Krücke, als Inklusionshilfe gegen eine Angst vor Unstrukturiertheit. Dabei war das mit der Kontrolle gar nicht ihr Hauptthema, dabei war es anders. Es ging auch überhaupt nicht um Nostalgie, schrie sie! Die Daten verliehen der Zeit Bedeutung und es konnte schmerzen, zu glauben, dass andere keine Erinnerung an die Marker im Zeitstrom mehr besaßen, es schmerzte, wenn dieser Zeitstrom für die anderen keine Bedeutung hatte. Die Zeit allerdings ist auch nur ein Symptom, murmelte sie. Das Vermissen hingegen ist etwas anderes. Darum geht es.
Sie erzählte der Maus dann doch bald davon, oder, die Maus erfuhr es einfach so irgendwie. Es stellte sich jedenfalls heraus, dass sie sie falsch eingeschätzt hatte. Sie weinten gemeinsam um die verstrichene Woche, bald über den verstrichenen Monat, irgendwann über zwei und drei. Die Maus schien den Kummer über die Zeit zu verstehen, wie sie auch Tagesstimmungen und Traumgefühle teilte. Ingrid konnte gar nichts dagegen tun, aber es irritierte sie, dass da Resonanz aus dem Raum kam. Die Maus weinte lautlos und wisperte mit rauem Mäusestimmchen, dass diese Tränen nunmal fließen müssten, es gäbe daran nichts zu ändern und es gäbe ja auch andere Tage. Ingrid sagte, ja. Ja. Sie sei sehr froh, dass diese Mäuseweisheit sie bestätige, das sei ihr eine Hilfe, überhaupt, unterdrücken ginge ja auch gar nicht. Gleichzeitig sei sie jedoch verwirrt. Sie erklärte, dass sie einen guten alten Freund habe. Der Schüttelfrost lebe seit einigen Jahren im sonnigen Spanien, sie sei ihm loyal total verbunden, sei es von ihm allerdings gewohnt, eher rabiate Ratschläge und Lebensstrategien empfohlen zu bekommen. Noch nie habe man es in ihrer Wohnung toleriert, sich einer Stimmung hinzugeben. Es mache ihr Angst und sie fürchte, die Wohnung nicht mehr verlassen zu können.
Sie setzte sich auf und schaute auf ihr zerwühltes Haar im Spiegel und sagte, sie sei nicht bereit, sich aus Loyalität ihren Freunden komplett anzupassen. Ihre Stimme wurde laut. Das gelte für den Schüttelfrost, doch das gelte auch für sie, die Maus. Bei aller Zuneigung, aber was es für Konsequenzen habe, zu ihrer Art zu gehören, das könne man ja den vagen Interneteinträgen und Lexikonresultaten entnehmen! Sie, die Maus, sei ein regelrechtes Phantom! Ein gefühlvolles und zutiefst sympathisches, aber, bei aller Liebe und Dankbarkeit für die Hilfe, es berge auch eine Gefahr für empathische Mitbewohner.
Ist okay, sagte die Maus. Mach nicht aus einem Käsestück einen Kater, niemand hat gesagt, du musst der werden, der bei dir wohnt. Denk mal drüber nach.

Ingrid dachte. Klar, tat sie das. Die Maus äußerte sich manchmal, ihre Stimme kam dann irgendwo aus unbestimmbaren Ecken des Raumes, schwer lokalisierbar und rasch die Position wechselnd und Ingrid, die anfangs noch in Panik verfallen war, wenn sie das leise Rascheln ihrer Füße hörte, gewöhnte sich an ihre Anwesenheit. Sie entschuldigte sich dafür, in der ersten Verzweiflung brutale Fallen angeschafft zu haben, um der Maus den Garaus zu machen. Sie seien zu dem Zeitpunkt einfach noch nicht persönlich bekannt gewesen und sie habe diese vage, undefinierbare Anwesenheit von einem Etwas im Raum einfach nicht ertragen können.
Hey, entgegnete die Maus, ist schon in Ordnung, ich habe dich beobachtet. Ich bin clever genug, um deine Plänen zu erkennen, auch, wenn sie eh ziemlich leicht durchschaubar sind.

Es war so gewesen. Die Zeit war ins Land gegangen und auch wenn die Maus schwieg, wusste Ingrid, dass sie da war. Manchmal, wenn sie aufwachte, oder wenn der Abend nahte, äußerte sich die Maus. Manchmal gab es Tage ohne auch nur einen Augenring und manchmal, wenn alles sehr weh tat, schauderte Ingrid beim Blick auf die Mausefallen. Manchmal spielte Musik, die Ingrid nicht guttat, die sie aber bei allem Genuss nicht ausschalten konnte und einmal im Kino lief es auch recht übel. Blöde Fingerpuppen und abermals Erinnerungen brachten da ihren Tag zum Einsturz. Der Tag ging weiter, auch in Trümmern.
Manchmal schrieb der Schüttelfrost eine kameradschaftliche Mail, über die Ingrid lächeln musste und dann prompt antwortete. Der Schüttelfrost schickte einen Kussmund in retour. Und Ingrid weinte vor Rührung. Sie musste sich vielleicht einfach eingestehen, in jeder Hinsicht nah am Wasser gebaut zu sein.

Manchmal legte sich Ingrid auf eine Wiese und manchmal hörte sie bloß dem Laub zu, das über die Wege watete.

Dann, als draußen der Wind aufbauschte und der Regen wie im Gewächshaus rieselte, beschloss sie, mit dem Anpacken zu beginnen. Während draußen die Nacht tiefer sank, wechselten drinnen alle Dinge ihren Ort und perlend weiß begann die Wand zu werden. Es war Zeit. Ingrid schwitzte vor Anstrengung und besah sich jeden Winkel des Raumes. In der Gewissheit, dass es ihr nun möglich sei, kniete Ingrid nieder und entfernte die Mausefalle aus der Zimmerecke. Oh, rief die Maus begeistert, oh, das freut mich aber! Du brauchst also keine Falle mehr gegen mich!
5.10.17 03:13


26.9.17 13:44


Warum müssen alle Züge ihre Fahrt beenden, fragte sich Ingrid. Warum bloß kann man nicht sitzen bleiben in den blauen Polstern mit dem unauffälligen hellen Muster, neben den Fensterscheiben aus Panzerglas, bei den Blicken, die gemeinsam auf der Sonne liegen. Die Sonne zieht sich währenddessen aus den nebligen Rapsfeldern im Zeitraffer hinauf. Die Windkraftwerke in ihren soldatischen Heeren fliegen vorbei, klack klack klack, harte Schnitte im Wahrnehmungsfilm. Vielleicht irgendwo ein Bahnübergang. Ein Reh auf der Wiese, Telegrafenmasten, ein Flussbett und Möbelhausreklame in Stadtnähe. Die Augen zu Schlitzen verengt, der Mund lächelnd und im Stakkato in Gold gebadet. Klack klack klack, Die Blicke werden so diszipliniert. Vielleicht, damit sie nicht doch alleine abschweifen, damit sie sich nicht verlieren, irgendwo im Elbsandstein. Stattdessen kehren sie dann zurück in den kargen klimatisierten Raum mit den unausweichlichen Plastiktabletts vor den Knien. Deine Knie stoßen beim Lesen daran, meine vielleicht nicht, sagte sie, auf meiner Seite werde ich deshalb all das Gepäck horten. Mich zurücklehnen in Socken und Zufriedenheit. Die Blicke sind müde, denn es ist früh am Morgen, es liegt Elbsand auch in den Augen und das Haar ist zerzaust, kleine, müde, lächelnde Augen. Dieser wunderschöne Raum, der zwischen Dortmund und Rostock genauso vertraut ist wie zwischen Hamburg und Amsterdam, der sich zwischen Leipzig und Nürnberg ebenso unbemerkt charmant anbietet wie zwischen Berlin und Budapest. Der Raum ist so hinreißend uninteressant, dass sich alles auf uns konzentriert. Die Knie werden sich stoßen und der Kaffee ein bisschen verschüttet, der Pullover ist sowieso alt und das Souvenir mal wieder einzigartig, die Köpfe werden sich zur Seite neigen und auf den Schultern ausruhen. Der Raum wird nur noch zu hören sein, die ferne Ansage vermischt mit deinem Atem. Klack klack klack, ich werde lieber nicht schlafen, dachte Ingrid, ich will das nicht verpassen. Denn es wird aufhören.
Oder wenigsten – anders gesagt- warum kann man das wirkliche Leben nicht festhalten, packen und hinauszerren aus dem Zug, die Hand darum schließen, es dort draußen nie mehr loslassen. Auf die Dunstfelder bauen, die man dort hat vorbeiziehen sehen. Wenn man die roten Sitze des Bordbistros ins Wohnzimmer verpflanzte, die alten Fenster mitnähme, die zum Aufschieben - man schaut hinaus, ohrenbetäubend das Leben und alle Haarsträhnen wild über den jetzt aufgeweckten Augen, wenn man sich zwischen den benachbarten Gucklöchern das Gesicht zudreht - es wäre die Lösung.
24.9.17 11:06


1.9.17 07:44




12.8.17 16:07


Was waren das für Zeiten gewesen, dachte Ingrid, nun, an diesem Sommerabend, als die Ampelanlagen und die partielle Mondfinsternis rot vor ihr aufglommen, kaum ein Wind ging, die Schwalben hoch flogen. Oder waren es Fledermäuse? Sie war sich nicht sicher.
Die verpatzte Reise nach Norwegen lag hinter ihr. Die blauen Wollfetzen des unwiederbringlich zerstörten Mantels waren zwischen den Wachholderbüschen geblieben, die Verrottung hatte dort vielleicht mittlerweile schon eingesetzt, auch das wusste sie nicht, was beim Sauerampfer geschieht, bleibt beim Sauerampfer. Die Dinge mussten nur schlimm genug stehen, dann kam sie auch mit diesem Mantra zur Abwechslung einmal klar.
Nichts hatte sie so machen wollen, wie sie es sonst tat, da in diesem Ausnahmezustand, und es war ihr dann auch überaus leicht gefallen, gehbehindert und verzweifelt wie sie war, eine gesichtslose Servicedame am Flughafen Oslo mit der vollen Wucht ihrer Wut zu überschütten, sodass diese ihr sofort widerstandslos ein Ticket für einen Direktflug ausgestellt hatte. Ingrid hatte dann von Gänsehaut übersäht und halbnackt im Flieger gesessen. Sie hatte die Kälte allerdings nicht gespürt, denn allein bei Gedanken an die verwesenden Partikel ihres kratzigen royalfarbenen Mantels war eine solche Hitze in ihren Kopf gestiegen, dass sie kaum hatte denken können. Für Kälte braucht es einen klaren Kopf.
Sie hatte dann Abstand von der Idee einer Flugzeugentführung genommen.
Sie war dann gelandet. Sie hatte dann auf dem Boden geschlafen und war aufgestanden.
Sie war am nächsten Morgen mit Augen durch die Straßen gegangen, die sich zum ersten Mal seit einer kleinen Ewigkeit sich wieder öffnen ließen. Sie hatte sich mit der Maus angefreundet, mit der sie sich nachts das Zimmer teilte. Sie wollte sie nicht töten.
Sie begann den Tag früh, weil die Geräusche am Morgen die schönsten waren. Überhaupt war sie froh, dass die Stadtverwaltung sich offenbar dazu entschieden hatte, die Testphase des Gesetzesentwurfs zu kippen, wonach einzig und allein Betonmischmaschinen für das akustische Profil der Stadt zugelassen werden sollten.
Sie hatten wohl auch den Paragraphen mit der Geruchslimitation gestrichen, ganz offensichtlich. Ingrid nahm nämlich den Geruch von Kiefernholz wahr, von frisch gewässerten Augustblumen, von Waschmittel und manchmal drehte sie sich ruckartig um, als habe ihr eine bekannte Person auf die Schulter getippt, fast, als könnten ein vertrautes Parfum oder eine bekannte Duschlotion physische Kräfte entfalten.
Es war in diesen mittleren Abendstunden, in denen der Mond aufgeht und es so aussieht, als würde er in Wahrheit von den Baukränen am Horizont in den Himmel gehievt. Es war da, dass Ingrid stehenblieb, schwitzend, auf das schaute, was sie da zusammengepuzzelt hatte, zum ersten Mal zurücktrat und ein wohl komponiertes Muster im Mosaik entdeckte. Zum ersten Mal dachte, dass wohl doch nichts zu Ende war.
10.8.17 00:16


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